Paduas Uhrturm

 

Jeden meiner Besucher führe ich wenigstens einmal selbst durch das schöne Stadtzentrum Paduas. Ich versuche, hier und da mit meinem wenigen Wissen über die Stadtgeschichte zu glänzen. Stehen wir dann aber auf der Piazza dei Signori vor dem beeindruckenden Uhrturm, musste ich bisher jedes Mal passen. „Äh… bei den Sternzeichen fehlt die Waage!“ Mehr wusste ich nicht. Das hat sich nun geändert, denn wir haben an einer Führung in das Innere des Turms teilgenommen.

Angeboten werden die Führungen dreimal in der Woche von Ehrenamtlichen der Gruppe Salvalarte (von Salva l’arte – Schütze die Kunst). Sie gehören zur Umweltschutzorganisation Legambiente (von Lega per l’Ambiente – Liga für die Umwelt) und bieten in Padua noch zu drei weiteren Orten mit Bezug zu Kunst und/oder Stadtgeschichte kostenlosen Zugang. Dazu gibt es mindestens Infomaterial in verschiedenen Sprachen, im Falle des Uhrturms sogar eine ausführliche und sehr informative Führung.

Direkt hinter dem Torre dell’Orologio beginnt ein ganzes Karree, welches im 14. Jahrhundert den Hof der Familie da Carrara bildete. Deren Uhrturm mit einer Mechanik von 1344 befand sich im Süden in Richtung Dom. 1405 wurde der Uhrturm bei der Niederlage der Carraresi von den Venezianern vernichtet. Die Mechanik hatte den Venezianern aber eigentlich gefallen und so diente sie 30 Jahre nach ihrer Zerstörung als Vorbild für die neue Uhr, die jetzt nach Osten gerichtet war. Von der lassen sich seither nicht nur Datum und Uhrzeit, sondern noch jede Menge anderer astronomischer Informationen ablesen, zum Beispiel die Mondphasen. Allerdings kann man dabei auch schnell verwirrt werden. Die Uhr beginnt nämlich nicht bei der Stunde Null, sondern bei Eins. Ist es also gerade halb eins, befindet sich der Zeiger in der Mitte des zweiten Abschnittes. Dem Betrachter hilft da die digitale Zeitanzeige im Fünf-Minuten-Takt am Rand des Turmes. Dass sich auf der astrologischen Scheibe alles um die Erde dreht, ist dagegen wenig verwunderlich. Kopernikus hat dieses Weltbild ja erst 100 Jahre später verändert.

Wie man sieht, stimmt die verwirrende Zeitangabe in der Sommerzeit mit unserer Logik überein.
Die Mechanik war auch für die Kinder spannend. Besonders alle fünf Minuten, wenn sich das große Zahlenrad im Hintergrund dreht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber was ist nun eigentlich mit der Waage? Bei der Stadtführung während der Erasmus-Welcome-Week wurde uns erzählt, dass es sich dabei angeblich um eine versteckte Kritik an der fehlenden Gerechtigkeit der Herrschaft gehandelt hätte. Der freundliche Herr hat das bei der Turmführung allerdings so erklärt: die Sternkreiszeichen richten sich nach dem vorrömischen System, bei dem es das Sternzeichen Waage noch nicht gab und der Skorpion daher schlicht zwei Abschnitte einnahm. So oder so, die Uhr ist sowohl von außen als auch von innen spannend anzusehen.

Danke an die Mitglieder des Vereins, die ehrenamtlich den Zugang zum Uhrturm und den anderen Orten ermöglichen!

 

http://www.legambientepadova.it/salvalarte
(Der Webauftritt des Vereins ist leider nicht besonders aktuell. Die dort noch angegebene Ponte San Lorenzo ist nicht mehr im Programm mit regelmäßigen Öffnungszeiten enthalten. Die anderen Orte lohnen sich aber trotzdem und die Öffnungszeiten stimmen noch.)

 

Außenbilder von Daniel Smith

 

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