Belle bambine in Matschhosen

Italien ist ein Land der Mode, das ist allgemein bekannt. Das merke ich hier nicht nur, wenn ich auf der Nobelmarken-Straße an Dolce & Gabbana, Gucci oder Prada vorbeigehe, wo auch mal eine 3000€-Tasche allein ein ganzes Schaufenster bekommt. Nein, das Modebewusstsein wird schon den Kleinen in der Kita anerzogen. Die Kinder kommen jeden Morgen hübsch eingekleidet in die Einrichtung. Niemand würde auf die Idee kommen, sie nach draußen zu schicken, sobald die Möglichkeit besteht, einen dreckigen Po zu bekommen. Praktische Kitakleidung heißt hier: modische Leggings und ein Oberteil nach Belieben des Kindes. Derzeit voll angesagt sind Wendepailletten, die verschiedene Muster ergeben, wenn man sie nach oben oder unten streicht. Matschhosen? So etwas kennt man hier nicht. Bei schlechtem Wetter bleibt man eben einfach drin, wozu also solche unförmigen und schludrigen Kleidungsstücke? Tatsächlich sind wir an etwas graueren Tagen oft die einzigen auf dem Spielplatz. Aber auch im Sommer wird streng darauf geachtet, dass sich die Kinder nicht dreckig machen. Während meine Kinder auf dem Boden sitzen und mit Kreide malen, auf Fahrradständern herumklettern oder in der Wiese knien und Blumen pflücken heißt es bei den anderen Eltern sofort: „Alzati!“ Steh auf!

Diese Schönheitsmaxime nimmt aber auch noch andere Züge an, die ich persönlich manchmal wirklich unangenehm finde: wildfremde Menschen sagen mir oder den Kindern, wie hübsch sie doch seien. Natürlich freue ich mich, wenn mir andere Leute mitteilen, wie niedlich und schön sie meine Töchter finden. Wenn sie dann aber den Mädchen in die Wange kneifen, ihnen ungefragt über die Haare streichen und Bonbons in die Hand drücken, wird mir das doch etwas zu eng. Dabei sagen sie: „Bambolina, sei bellissima, sai?“ (Püppchen, du bist wunderschön, weißt du das?), oder „Che bellissime principesse!“ (Was für schöne Prinzessinnen!) Hier ist das jedoch völlig normal. Niemand findet es seltsam, wenn ein älterer Herr einem kleinen, fremden Mädchen über die Wange streichelt.

Auch in der Uni kommt das Modebewusstsein der Italiener natürlich nicht zu kurz. Studenten wie Dozenten kommen jeden Tag top gestylt zur Vorlesung. Dabei ist mir aufgefallen, dass die jungen Frauen ausschließlich Hosen anziehen – abgesehen mal von einem Sommerkleid oder einer schicken Abendgarderobe zur Laurea-Verleihung, dem Uni-Abschluss. Sicherlich werden auch beim abendlichen Weggehen hin und wieder Kleider getragen, aber eben nicht im Alltag. Da ich selber kein begeisterter Hosenträger bin, steche ich mit meinen geblümten Kleidern und gepunkteten Röcken schon etwas heraus. Tatsächlich habe ich sogar typisch deutsche Funktionskleidung wie Regenjacke und Fahrradhose dabei, hüte mich aber weitestgehend vor deren Nutzung. Das ist dann sogar mir zu unmodisch.

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