Advent, Advent – die Mama flennt

Und zwar, weil es die ganzen kleinen und schönen Bräuche, die den Advent bei uns zu Hause immer so besonders machen, hier in Italien nicht gibt! Keine Plätzchen, keine Herrnhuter Sterne, keine Räucherkerzchen – das ist schon zum Heulen!

 

St. Martin

Die Ernüchterung begann sogar schon zu St. Martin.
Da basteln wir in Dresden jedes Jahr unsere Laternen, gehen zum großen Martinsumzug der Gemeinde, stehen um das Martinsfeuer herum und teilen selbstgebackene Martinshörnchen aus Hefeteig. Das alles gab es hier nicht. Das Einzige, was hier im Veneto Tradition zu sein scheint waren große Martinsreiter aus Mürbeteig, die in allen Supermärkten und Bäckereien auslagen. Wir haben trotzdem Laternen gebastelt – ganz unkompliziert aus Joghurteimern. Von Oma und Opa gab es dann sogar noch per Post klassische Papierlampions. So hatten wir zumindest einen kleinen, privaten Martinsumzug. Eine Laterne brannte ab – das war meine Schuld – aber auch das gehört dazu. Außerdem wurden Martinshörnchenmit Omas selbstgemachtem Apfelgelee gebacken und mit den Nachbarn geteilt. Die haben sich natürlich gefreut!

 

    

 

Advent

Adventskranz und Adventskalender gehören für mich einfach zum Advent dazu. Als ich vor sieben Jahren in Rom war hatte ich den Eindruck, sowas sei dort völlig unbekannt. In Padua habe ich beides in vielen Läden gesehen, wenn auch nicht in der Menge wie in Deutschland. Vor allem die Kalender scheinen hier langsam in Mode zu kommen. Wir haben unseren eigenen Adventskalender mitgebracht, den wir jedes Jahr verwenden. Daran wandern die beiden Säckchen – für jedes Kind eines – an 24 Stäben jeden Tag ein Stück in Richtung Himmel und werden jede Nacht neu befüllt. (Ich muss gestehen, dass ich diese Idee von meiner Mama habe.) Natürlich haben die Mädchen aber auch Bildchen- und einen Geschichtenkalender zugeschickt bekommen, es gibt also jeden Morgen viel zu tun.

Einen Adventskranz wollte ich gern selber binden. Grünzeug habe ich mir einfach von den Spielplätzen mitgenommen. Die Zieräpfel und Mini-Granatäpfel, Eicheln, Kastanien und Blätter stammen aus unserer „Herbstschatzkiste“, die wir in den letzten Wochen immer wieder gefüllt, leergebastelt und neu gefüllt haben.
Damit die Kerzen auf dem Kranz fest stehen, braucht man Kerzenhalter mit langem Dorn, die in deutschen Bastelläden leicht zu finden sind. Anscheinend bindet hier aber wirklich niemand seinen Kranz selbst, nirgendswo konnte ich die Halter auftreiben. In einem Priesterbedarfsladen am Dom hätte es sicher welchegegeben, aber sehr hochwertig und teuer, eben für den Kirchenbedarf. Oder ich hätte mir einen fertigen Billigkranz gekauft und die Halter daraus genommen. Beides nicht so toll – nun kommt mein Kranz eben ohne Halter aus.

Was hier ebenfalls niemand macht: Plätzchen backen. Entsprechend schwer ist es, viele für uns völlig selbstverständliche Weihnachtsgebäck-Zutaten aufzutreiben. Nirgendwo finden sich Marzipanrohmasse, Orangeat, gemahlene Haselnüsse oder Nougatmasse. Selbst von Zuckerstreuseln finden sich in guten Läden maximal zwei Varianten.
Wir haben aber trotzdem schon gebacken und auch Schulfreunde zum Backen eingeladen. Den Kindern ist es ja letztendlich egal, welchen Teig sie da vernaschen – Hauptsache süß!

Dafür gibt es in Italien aber in der Advents- und Weihnachtszeit zwei traditionelle Kuchen, die man mittlerweile auch in Deutschland in vielen Supermärkten findet. Der Pandoro kommt aus Verona und ist ein fluffiger, weicher Hefeteigkuchen in Sternenform. Der Panettone aus Mailand besteht quasi aus dem gleichen Teig, ist aber rund und enthält kandierte Früchte und Rosinen. Wir bevorzugen da eher die ungefüllte Pandoro-Variante.

 

St. Nikolaus

Am Abend vor dem Nikolaustag wird bei uns normalerweise brav Schuhe geputzt, damit der Nikolaus in der Nacht etwas hineinsteckt. Aber hier passiert gar nichts am Nikolaustag. Auch wenn wir das Schuheputzen in diesem Jahr etwas vernachlässigt haben, wollte ich natürlich trotzdem die Tradition beibehalten, den Kindern etwas Kleines in die Stiefel zu stecken. Dafür wollte ich Schokoweihnachtsmänner besorgen. Sogar das stellte sich als schwierig heraus! Während in Deutschland schon seit Monaten die Weihnachtsartikel aus den Supermarktregalen quellen, ist die Auswahl hier absolut dürftig. Allein die Weihnachts- und Schneemänner von Ferrero (Ferrero Rocher und Kinder) sind hier zu finden. Nur im Lidl halten sich wacker die klassischen Weihnachtsmänner der Eigenmarke, von der tatsächlich auch Lebkuchen, Spekulatius und andere Weihnachtsleckereien angeboten werden. Die sind zum Teil jetzt schon heruntergesetzt – scheinen wohl nicht so gut anzukommen.

Die Weihnachtsmänner habe ich dann noch mit einer Mitra und einem Bischofsstab zu „echten“ Nikoläusen umgerüstet und so haben sie am Nikolausmorgen die Kinderherzen erfreut.

Dafür wird in einigen Regionen Italiens aber am 13. 12. das Fest der Heiligen Luzia gefeiert, hier im Veneto jedoch nicht.

 

Weihnachtsmärkte

Versöhnlich gestimmt hat mich am Wochenende ein Nachmittag im Stadtzentrum. Auf einem Handwerker-Weihnachtsmarkt konnten wir einem Glasbläser aus Murano live bei der Arbeit zusehen. Auf dem eher konventionellen Weihnachtsmarkt auf der anderen Seite der Innenstadt gab es jede Menge Kitsch, gebrannte Mandeln und ein kleines Kettenkarussell, bei dem wir drei Runden anstehen mussten, so ein Andrang war dort. Am schönsten fand ich persönlich dann aber eine Krippenausstellung im Rathaus mit freiem Eintritt. Hier wurden Krippen einer Künstlervereinigung ausgestellt, die alle den gleichen Stil verfolgen: sehr realistische und unglaublich detailreiche Szenen des täglichen Lebens der Heiligen Familie, darunter natürlich die Szenen der Heiligen Nacht, aber auch Jesus‘ erste Schritte oder Josef bei der Arbeit im Tischlerschuppen. Das alles dargestellt in dreidimensionalen Dioramen mit beeindruckender Tiefe, eingebettet in italienische Landschaften. Diese 3D-Wimmelbilder fanden auch die Mädchen toll!

Die Unterhaltungsangebote der Stadt sind also toll und gut besucht. Trotzdem freue ich mich jetzt schon auf den nächsten Advent daheim mit all seinen kleinen, warmen und liebevollen Bräuchen.

Josef reitet das Jesuskind auf den Knien. Dieses Motiv bekommt man sonst nicht so häufig zu sehen.

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