Kita-Eingewöhnung – das Italien-Modell

Mit meinen beiden Kindern habe ich in Deutschland schon fünf Kita-Eingewöhnungen mitgemacht, die allesamt recht ähnlich und entspannt waren. Nun war ich sehr gespannt darauf, die was in Italien ablaufen würde.

Als ich als Au-pair in Rom war, habe ich jeden Morgen den dreijährigen Sohn in eine Kita gebracht. Die sah aus wie eine Grundschule: ein Klassenzimmer mit Tafel und einer Spielecke, draußen ein geteerter, scheinbar wenig benutzter Schulhof. Das war kein Vergleich zu den schönen Kindergärten mit großen, grünen Gärten und Montessori-Holzspielzeug, wie ich sie aus Deutschland kenne. Meine größte Angst war also, dass das hier ähnlich wie in Rom aussehen würde. Bei der Kita-Suche habe ich deswegen per Google-Maps geschaut, ob die Kinder draußen spielen können.

Unsere scuola dell’infanzia befindet sich nun im gleichen Gebäude wie Victorias Schule, die Außenbereiche sind aber voneinander getrennt.

Im Gegensatz zur Grundschule, bei der es vor Beginn zumindest einen kurzen Elternabend gab, startete die Kindergartenzeit ohne Vorgespräche. Alle acht neuen Kinder wurden am Vormittag gebracht und blieben gemeinsam mit den Eltern für ein bis zwei Stunden zum Schnuppern. So gestalteten sich die ersten drei Tage. Während in Deutschland gewöhnlich nur ein oder höchstens zwei Kinder gleichzeitig eingewöhnt werden, begannen hier also alle Kinder am selben Tag. Die beiden Erzieherinnen Mariella und Daniela waren in den ersten beiden Wochen noch zusammen da, seitdem wechseln sie sich ab. Sie mussten sich nun also um die älteren Gruppenkinder kümmern, die vielen, zum Teil ziemlich verängstigten neuen Kinder kennenlernen und gleichzeitig noch den Eltern alle Erklärungen, Erläuterungen und Hinweise geben, die eigentlich in einen kinderfreien Elternabend gehören. Dazu kommt noch, dass nur ein einziges Kind der Gruppe italienische Eltern hat und viele der anderen Eltern kaum Italienisch sprechen. So machten die ersten Tage auf mich einen furchtbar chaotischen Eindruck. Nichts mit einfühlsamer pädagogischer und individueller Eingewöhnung nach dem „Berliner Modell“. Stattdessen: weinende Kinder und überforderte Erzieher, die alle Infos fünf Mal wiederholen müssen.

Große Augen statt Krise

Valentina hielt sich zwar in diesen ersten Tagen schüchtern zurück, bekam aber glücklicherweise keine Krise. Stattdessen beobachtete sie mit großen Augen die anderen Kinder. Ein dunkelhäutiger Junge weinte sehr viel, wurde aber von seiner strengen Mutter dafür ausgeschimpft statt getröstet. Einem asiatischen Mädchen wurde von der Oma das Handy mit der laut lamentierenden Mama ans Ohr gehalten, während gleichzeitig noch Papa und Erzieherin an ihr herumtätschelten. Andere Kinder erkundeten aber auch neugierig das Zimmer und den Garten.

In der zweiten Woche konnte ich Valentina schon über den Vormittag alleine dalassen. Bei manchen Kindern kamen die Eltern noch mit, und ab der dritten Woche war dann normaler Kindergartenbetrieb mit Schichtdienst der Erzieher. Für eines der Kinder kommt regelmäßig eine Fördererzieherin, so dass die Gruppe dann von zwei Personen betreut wird.  

Die Eingewöhnung hier stand in keinem Verhältnis zu den fünf, die ich schon in Deutschland mitgemacht habe. Wider aller Erwartungen hat Valentina den Kitastart aber gut gemeistert. Es gab ein paar morgendliche Proteste, das war alles. Sie hat schnell Vertrauen zu den Erzieherinnen und trotz vieler verschiedener Sprachen klappt es auch mit den anderen Kindern gut.  
Wie seitdem ihr Kitaalltag ausseht, könnt ihr im nächsten Artikel lesen.

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